Bericht vom 4. Clubtreffen

von Jörg Linder

Unser diesjähriges Clubtreffen vom 17. bis 19. April in Radebeul war zweifellos ein Ereignis der Superlative. Das Motto "20 Jahre CP/M - 10 Jahre KC 85/4 - 5 Jahre KC-Club" weckte hohe Erwartungen, doch diese wurden bei weitem übertroffen. Mit 48 (in Worten: achtundvierzig!!!) Teilnehmern war es das bisher bestbesuchte. Doch nicht nur die Anzahl der Clubmitglieder und Gäste war überdurchschnittlich, sondern auch Umfang sowie Qualität der der Vorträge, Workshops und Hardware-Präsentationen. Daß in diesem Gewühl mitunter die Übersicht verlorenging war wohl nicht zu vermeiden. Mit den Übernachtungen und der Verpflegung hat's dagegen prima geklappt - auf diesem Weg herzlichen Dank an das Herbergsteam.

Schon am Freitag zeichnete sich ab, welche Ausmaße das Treffen letztendlich annehmen sollte. Bei meinem Eintreffen um ca. 14 Uhr glich der uns zur Verfügung stehende Raum bereits einem Bienenstock. Emsig wurden Tische und Stühle gerückt, um anschließend KC-Anlagen darauf zu türmen. Vorsorglich hatte Frank Dachselt genügend Platz für seinen KC reserviert, den wir erst von der Technischen Universität geholt haben, denn diese Aktivitäten hatten sich innerhalb von zwei Stunden vervielfacht und immer mehr Leute kamen hinzu.

Es versteht sich von selbst, daß umgehend ein reger Erfahrungsaustausch und zahlreiche Gespräche einsetzten. Selbst die Runde der Skatspieler, die sich am Abend zum wöchentlichen Spiel mit wechselnder Lautstärke im selben Raum trafen, konnten uns nicht davon abhalten, bis in die Nacht zu diskutieren. Gegen 1 Uhr gingen wir auf unsere Zimmer. Das bedeutete für einige jedoch nur eine örtliche Veränderung mit kleinerer Diskussionsrunde - schließlich waren wir noch frisch und munter!

Allerdings zeigten sich beim Frühstück am Samstagmorgen um 8 Uhr die Auswirkungen dieses Übermutes: Anstelle eines fröhlichen "Guten Morgen" war von den meisten nur ein Brummen zu hören, dessen Klang im entferntesten daran erinnerte. Bereits vor dem Frühstück waren weitere Teilnehmer eingetroffen. Dieser Trend hielt nahezu unvermindert den gesamten Samstag an.

Kurz nach 9 Uhr nahmen wir die "reguläre Arbeit" auf. Zunächst legte Andreas Ose den Kassenbericht vor, der ebenfalls in dieser Ausgabe zu finden ist. Der Bericht wurde von mir (Jörg Linder) geprüft und für i. O. befunden.

Zwar ist vom Guthaben noch ca. ein Jahrgang der KC-News zu bestreiten, aber trotzdem schlug Andreas eine Senkung des Unkostenbeitrages auf etwa 30,00 bis 35,00 DM vor. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt, da wir im nächsten Jahr aufgrund unvorhersehbarer Kostenveränderungen (z. B. Portoerhöhungen) wieder zu einer Erhöhung des Beitrages gezwungen sein könnten. Der Aufwand für die Umstellung erschien uns daher zum jetzigen Zeitpunkt (noch) nicht gerechtfertigt und ein kleines finanzielles Polster kann dem Club sicherlich nicht schaden.

Diese Entscheidung wird vielleicht noch eher nachvollziehbar, wenn man sich den aktuellen Mitgliederstand vor Augen hält. Andreas informierte uns darüber, daß im letzten halben Jahr 23 (!) Neuzugänge zu verzeichnen waren. Somit hat unser Club nun 79 Mitglieder. Diese Zahl dürfte mittlerweile überholt sein, denn auf dem Treffen sind bereits drei weitere hinzugekommen. (Holger Jödicke ist leider immer noch nicht dabei!)

Ein Großteil der Neuzugänge ist auf unsere Präsenz im Internet zurückzuführen. Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt der Tagesordnung. Zusammen mit Frank Dachselt hatte ich die Ehre, die Web-Site unseres Clubs an meinem Apple PowerMacintosh vorzustellen. Für all diejenigen, die beim Treffen nicht dabei sein konnten und auch keinen Internetzugang haben, gibt es in dieser Ausgabe einen Artikel dazu.

Die Gunst der Stunde nutzend - mir kam schließlich die Aufmerksamkeit zuteil - ließ ich alle Teilnehmer zum Gruppenfoto Aufstellung nehmen. Nach dieser kurzen Unterbrechung ging es mit Mario Leubners Vortrag zur neuen ZAS-Speicherverwaltung weiter. Zwar konnte ich mich des Eindruckes nicht erwehren, daß einem Teil der Zuhörer Sinn und Zweck der neuen Speicherverwaltung noch nicht ganz klar ist, aber das wird sich hoffentlich im Laufe der Zeit ändern. Bereits in dieser Ausgabe ist ein weiterer Artikel zu diesem Thema zu finden und mit zunehmender Anzahl von Treibern wird das Verständnis für die Bedeutung der Speicherverwaltung sicherlich wachsen.

Ebenfalls mit großem Interesse wurde die Vorstellung des neuen Projektes von Ralf Kästner verfolgt, zu dem er sich bis zum Treffen sehr bedeckt hielt. Um so größer war die Überraschung, als er uns offenbarte, daß ihm der Anschluß eines Handscanners mit geringem zusätzlichen Hardwareaufwand an den KC gelungen sei. Ralf konnte nicht nur mit (s)einem Prototypen sondern auch mit der dazu passenden Software aufwarten. Beide befinden sich noch im Anfangsstadium; allerdings stehen nach Rücksprache mit unseren Hardware-Spezialisten die Chancen für eine "massenhafte" Verbreitung nicht schlecht.

Wie nicht anders zu erwarten, ließ die ungeteilte Aufmerksamkeit nach dem Mittagessen nach und die Gespräche nahmen zu. Daher wurden die weiteren Workshops zu UNIPIC, SuperCalc und dem Z-System nur noch im kleinen Kreise durchgeführt. Trotzdem oder gerade deshalb waren die Teilnehmer umso begeisterter, denn auf diese Weise konnten Hans-Rudolf Stoeßer und Ralf Kästner viel besser auf spezielle Fragen und Probleme eingehen.

Wer glaubt, auf dem diesjährigen Treffen gab es keine besondere Hardware zu sehen, der irrt gewaltig. Hendrik Wagenknecht präsentierte seinen KC, der als Steuerrechner für seine Modellbahnanlage dient, einschließlich der dazugehörenden Hard- und Software. Der Komfort und die einfache Bedienung des Systems ließ nicht nur die Augen der Modellbahn-Fans leuchten.

Geradezu sensationell waren die Hardware-Erweiterungen, die von den Mitgliedern des ZX-Teams - Kai Fischer, Henning Räder und Dieter Krumbiegel - vorgestellt wurden. Unter der Maßgabe, die Hauptplatine nicht zu verändern, wurden die Ansteuerschaltungen für LC-Display und Festplatte entwickelt. Beide wurden als separate Platinen mit jeweils eigenem Z80-Prozessor aufgebaut, die an den Rechnerbus gesteckt werden.

Insbesondere die Schaltung für das LCD hat mich sehr beeindruckt. Normalerweise verfügt der ZX81 nur über Blockgrafik, wodurch er mit einem sehr kleinen Bildspeicher auskommt, der sich darüber hinaus irgendwo im Arbeitsspeicher des Rechners befinden kann. Mit Hilfe eines speziellen Signals auf dem Rechnerbus stellt die LCD-Ansteuerung fest, wenn auf den Bildspeicher zugegriffen wird und überträgt die entsprechenden Daten in einen Koppel-RAM. Diese werden anschließend vom Rechnersystem der Ansteuerschaltung in Pixeldaten umgewandelt. Dabei hat die mit 8 MHz getaktete Z80 CPU alle Hände voll zu tun, um das LCD in ausreichender Geschwindigkeit mit Informationen zu versorgen.

Vielleicht ist es möglich, einen (ausführlichen) Artikel vom ZX-Team zur LCD-Ansteuerung und zur Festplatte, deren Verwaltung übrigens von einem eigenen Dateisystem mit Unterverzeichnissen erledigt wird, zu bekommen und hier in den KC-News zu veröffentlichen. Ganz nebenbei bemerkt: Innerhalb des ZX-Teams gab es bereits Diskussionen darüber, wann ein ZX81 noch ein ZX81 sei. Mittlerweile hat man sich darauf geeinigt, daß ein unverändertes Grundgerät mit "ZX81", ein um LC-Display und Festplatte erweitertes Gerät hingegen als "ZX96" bezeichnet wird.

Für Aufsehen haben auch die von Henrik Haftmann (ja, genau der Henrik Haftmann) mitgebrachten Module gesorgt. Er hat ein M022 (16 kB RAM) um 2 M011 (je 64 kB RAM) ergänzt und somit 144 kB und 3 Module in einem Gehäuse untergebracht. Noch komfortabler ist allerdings sein mit 512 kB statischem RAM bestücktes Modul, dessen Daten dank Batteriepufferung bis zu 24 Stunden erhalten bleiben. Die Krönung war zweifellos ein Modul mit GAL-Brenner und NMI-Auslösung. Es wäre schön, wenn hier in den KC-News irgendwann mehr über diese Module zu erfahren wäre.

Doch nicht nur die Module riefen allgemeines Staunen hervor, sondern auch die von Henrik gezeigte Emulationssoftware, mit der es auf einem PC möglich ist, diverse Kleincomputer nachzuempfinden. Zu den unterstützten Geräten gehören neben dem Z9001 und dem KC87 selbstverständlich auch "unsere" KC85/3 und /4. Die Emulation des D004-Aufsatzes ist geplant, aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht implementiert. Wer Zugang zum Internet hat, kann sich hier informieren und den Emulator herunterladen:

http://www.tu-chemnitz.de/~heha

Zum Sonntag gibt es nicht allzu viel zu sagen. Die Auflösungserscheinungen setzten wie üblich nach dem Frühstück ein, doch zum Mittagessen waren immerhin noch 15 Clubmitglieder anwesend - ebenfalls neuer Rekord. Gegen 14 Uhr war das offizielle Ende des Treffens dann Realität.

Selbstverständlich gibt es auch in diesem Bericht wieder ein paar Informationen für die Statistiker! Die schier unglaubliche Zahl von 48 Teilnehmern hatte ich bereits eingangs erwähnt. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, daß erstmals auch weibliche KC-Fans zugegen waren. Bei den Geräten sah es nicht minder beeindruckend aus. Sage und schreibe 9 Anlagen, aus KC 85/4 und Floppy-Aufsatz bestehend, 1 Z1013 in einem Eigenbau-Holzgehäuse, 1 ZX81 im Originalgehäuse, 2 ZX96 mit Festplatte und LC-Display, 1 Robotron EC 1834, 2 PC-Laptops und 1 Apple PowerMacintosh waren zu sehen!

Ein paar in Bildern festgehaltene Eindrücke dürfen auch diesmal nicht fehlen und sind, wie gewohnt, über die gesamte Ausgabe verstreut. In der Hoffnung auf ein weiterhin so reges Clubleben und noch viele Treffen dieser Art beende ich diesen Bericht mit dem Versprechen, uns im nächsten Jahr wiederzusehen.